Brandschutz auf der Holzbalkendecke: Der Aufbau entscheidet
Historische Holzbalkendecken erhalten, modernen Wohnkomfort schaffen und gleichzeitig hohe Anforderungen an Brand- und Schallschutz erfüllen: Bei der Sanierung der Alten Mälzerei in Würzburg musste der Bodenaufbau mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen. Wie wurde die Aufgabe planerisch und handwerklich gelöst?

Was war die besondere Herausforderung bei diesem Projekt?
Im historischen Gebäudeteil sollten vorhandene Holzbalkendecken möglichst erhalten bleiben. Gleichzeitig entstanden moderne Wohnungen mit Fußbodenheizung. Damit trafen sehr unterschiedliche Anforderungen aufeinander: Brandschutz, Trittschallschutz, Heizung, begrenzte Aufbauhöhen und ein Bestand, dessen Fußbodenniveau teilweise erhebliche Unterschiede aufwies. Hinzu kam, dass der Brandschutz nicht allein über eine einzelne Estrichschicht gelöst werden konnte. Entscheidend war ein nachgewiesener Gesamtaufbau aus Deckenkonstruktion, Dämmung, Fußbodenheizung, Randdetails und einem hierfür geprüften Fließestrich. Die Holzbalkendecken wurden auch auf der Unterseite brandschutztechnisch ertüchtigt.

Wie wurde der Bodenaufbau geplant?
Eine der ersten Aufgaben bestand darin, die unterschiedlichen Fußbodenhöhen auszugleichen. Im Bestand wurden Abweichungen von etwa fünf bis 15 Zentimetern festgestellt. Je nach Situation kamen deshalb schwere mineralische beziehungsweise leichte Ausgleichsschüttungen zum Einsatz. Darauf folgte der eigentliche Systemaufbau mit mineralischen Dämm- und Trägerelementen, Fußbodenheizung und einem Calciumsulfat-Fließestrich, für dessen konkrete Anwendung ein entsprechender Brandschutznachweis vorlag. Der reguläre Aufbau aus Fußbodenheizung und Estrich lag im eingesetzten System bei rund 76 Millimetern.

Welche Details waren in der Ausführung besonders wichtig?
Ein entscheidender Punkt waren die Randbereiche. Die verwendeten Randdämmstreifen bestanden aus Mineralwolle und waren damit Teil des Brand- und Schallschutzkonzeptes. Weil der flüssige Estrich die Dämmung keinesfalls unterlaufen durfte, wurde die Bodenfolie über die Oberkante des Randstreifens geführt. Auch die Bewegungsfugen verlangten besondere Aufmerksamkeit. In den brandschutzrelevanten Bereichen mussten sie mit nicht brennbaren Materialien ausgeführt werden. Gerade solche Details zeigen, dass bei einem geprüften Brandschutzaufbau nicht nur der Estrich selbst betrachtet werden darf.

Hat der Spezialaufbau die Estricharbeiten erschwert?
Aus Sicht des ausführenden Estrichbetriebs kaum. Das Material wurde im Silo zur Baustelle gebracht und über Schlauchleitungen eingebaut. Die Verarbeitung entsprach weitgehend der eines üblichen Fließestrichs. Auch das Nivellieren und Entlüften erfolgte mit den bekannten Arbeitsverfahren. Der zusätzliche Aufwand lag damit weniger im eigentlichen Einbringen des Estrichs als in der exakten Umsetzung des vorgegebenen Systemaufbaus und seiner Details.

Was können Planer und Verarbeiter aus dem Projekt mitnehmen?
Bei Holzbalkendecken mit erhöhten Brandschutzanforderungen sollte der Boden frühzeitig als Gesamtsystem geplant werden. Brandschutz, Schallschutz, Fußbodenheizung, Aufbauhöhe, Höhenausgleich und Fugenausbildung greifen unmittelbar ineinander. Für die Ausführung bedeutet das: Die Verarbeitung des Fließestrichs kann gewohnt rationell bleiben. Entscheidend ist jedoch, dass Dämmstoffe, Randanschlüsse, Fugen und weitere Systembestandteile exakt der nachgewiesenen Konstruktion entsprechen.

