Brandschutz-Fließestrich im Bestand: Ausführung bei unterschiedlichen Deckenkonstruktionen
Bei der Sanierung einer historischen Villa in Kassel entstanden sieben Wohnungen auf insgesamt fünf Ebenen. Die besondere Herausforderung für die Bodenplanung bestand in drei unterschiedlichen Deckensystemen und zwölf verschiedenen Fußbodenaufbauten. Das Gebäude war der Gebäudeklasse 4 zugeordnet; für wesentliche Bereiche bestanden Anforderungen bis F90.
System statt Einzelprodukt
Für die überwiegend vorhandenen Holzbalkendecken wurde ein Bodenaufbau gewählt, für den ein entsprechender bauaufsichtlicher Brandschutznachweis vorlag.
Der Aufbau kombinierte:
- mineralische Ausgleichs- beziehungsweise Dämmschichten,
- mineralische Trägerelemente,
- Fußbodenheizung,
- einen Calciumsulfat-Fließestrich mit Brandschutznachweis sowie
- systemgerechte Randdämmstreifen.
Im konkreten Projekt war der Nachweis für Feuerwiderstandsklassen bis F90 Bestandteil der Planung.
Unterschiedliche Decken, einheitliche Heizungsführung
Die besondere planerische Aufgabe bestand darin, die Fußbodenheizung trotz drei verschiedener Deckensysteme und zwölf Bodenaufbauten durchgängig zu führen.
Die verwendete Heizkonstruktion konnte auf den unterschiedlichen Untergründen eingesetzt werden. Dadurch ließ sich die Zahl der Systemwechsel reduzieren. Für Planung und Bauablauf war dies insbesondere an den Übergängen zwischen unterschiedlichen Deckenaufbauten von Vorteil.
Einbauleistung
Die ausgeführte Estrichfläche betrug rund 1.000 m². Insgesamt wurden etwa 43 Tonnen Fließestrich verarbeitet.
Der Einbau erfolgte mit drei Mitarbeitern innerhalb von zwei Tagen. Das Material wurde über Schlauchleitungen eingebracht, auf Einbauhöhe verteilt und mit der Schwabbelstange entlüftet.
Aus Sicht des ausführenden Fachbetriebs erforderte das eingesetzte Brandschutzsystem keine grundsätzlich veränderte Verarbeitungstechnik gegenüber anderen Fließestrichen.
Kritisches Detail: Randdämmstreifen
Besonderes Augenmerk erforderte die Ausbildung der Randanschlüsse.
Die eingesetzten Randdämmstreifen aus Mineralwolle verfügten nicht über eine integrierte Folienlasche. Deshalb musste die Bodenfolie über die Oberkante der Randdämmstreifen geführt werden. Auf diese Weise wurde verhindert, dass der Fließestrich unter beziehungsweise hinter die Dämmung läuft.
Gerade bei brandschutztechnisch nachgewiesenen Konstruktionen sind solche Details relevant: Eine vermeintlich geringfügige Änderung eines Bauteils oder Anschlusses kann dazu führen, dass die ausgeführte Konstruktion nicht mehr dem geprüften Aufbau entspricht.
Bauablauf und Folgegewerke
Das im Objekt eingesetzte Material war früh aufheizbar und schwind- beziehungsweise spannungsarm. Nach Angaben der Projektbeteiligten konnten die Flächen deshalb vergleichsweise früh belastet und für die weiteren Ausbauarbeiten vorbereitet werden.
Als Oberbeläge kamen anschließend unter anderem Parkett und Feinsteinzeug zum Einsatz.
Fazit für Planer und Verarbeiter
Der wesentliche Vorteil einer solchen Konstruktion liegt nicht darin, einen besonderen Estrich einzusetzen, sondern einen nachgewiesenen und ausführbaren Gesamtaufbau zu planen.
Für Planer bedeutet das:
Brandschutzanforderung und Deckentyp müssen zuerst geklärt werden. Anschließend sind Dämmung, Heizung, Estrich, Aufbauhöhe und Anschlussdetails auf den Nachweis abzustimmen.
Für den Verarbeiter gilt:
Die eigentliche Fließestrichverarbeitung bleibt vertraut. Besondere Aufmerksamkeit benötigen jedoch alle Details, die Bestandteil des Brandschutznachweises sind – insbesondere Dämmstoffe, Randstreifen, Folienführung, Fugen und Übergänge.