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FLIESSESTRICHFORUM – auch 2026 wieder DER Branchentreff

Foto: ©VDPM

 

Das 9. FLIESSESTRICHFORUM versammelte am 7. und 8. September 2026 erneut Fachhandwerker, Sachverständige, Planer sowie Vertreter der Industrie in Fulda. Ein echtes Branchenevent, veranstaltet vom Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM), dem Bundesverband Estrich und Belag (BEB) und dem Institut für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung (IBF).

„Hier trifft sich die Branche, es ist Zeit genug für persönliche Gespräche mit Kollegen. Und fachlich nimmt man immer was mit.“ So bewerten die Teilnehmer die Mischung aus gesellschaftlichem Ereignis am Vorabend und dem vielseitigen Vortragsprogramm tags darauf. Sebastian Groppweis und Antje Hannig (VDPM) sowie Daniel Rendler und Bernfried Hansel (BEB) präsentierten den Teilnehmern eine spannende Mischung aus Technik und Praxis mit Nachhaltigkeit als thematischer Klammer.

Zu Beginn des ersten Vortragsblocks stellte Dr. Matthias Büttner, Head of Development Center DACH bei der Knauf Gips KG, das vom VDPM und der Industriegruppe Estrichstoffe im Bundesverband der Gipsindustrie (IGE) erarbeitete Merkblatt 11 „Nachhaltigkeit von Calciumsulfat-Fließestrichen“ vor. Inhaltliche Schwerpunkte sind unter anderem Rohstoffgewinnung, Produktion und Logistik sowie Rückbau und Recycling. „Das Merkblatt soll die Transparenz des Begriffs Nachhaltigkeit erhöhen, indem entsprechende Datenquellen (insbesondere Umwelt-Produktdeklarationen) aufgezeigt werden und ein Überblick über themenbezogene Label sowie einschlägige Zertifizierungssysteme gegeben wird“, so Dr. Büttner.

Reichen unsere Rohstoffe für die Zukunft? Diese in der Branche viel diskutierte Frage beantwortete Andreas Hübner (CASEA GmbH) optimistisch. Für den in einigen Jahren wegfallenden REA-Gips könne Recycling-Gips durchaus eine alternative Rohstoffquelle sein, ist aber nicht im benötigten Umfang verfügbar. Nachhaltiges Bauen bedeute auch weniger Abriss in Deutschland und damit weniger Recyclingrohstoff. Zum Ausgleichen der Rohstofflücke kommen in erster Linie Naturanhydrite und -Gipse infrage. In der Diskussion stehen unter anderem Phosphatgips, Citronensäure-Gips, Titanogips und Zement. „Für die Herstellung von Estrich wird es immer Rohstoffe geben in absehbarer Zukunft“, so Andreas Hübner, „Naturanhydrit, synthetischer Anhydrit und Zement werden dabei eine wichtige Rolle spielen.“

Dr. Grit Losch (CASEA GmbH) präsentierte die Initiative „Gipsrecycling als Chance für den Südharz“, die durch das vom Bundesforschungsministerium unterstützte Bündnis WIR! (Wandel durch Innovation in der Region) realisiert wird. Dr. Losch berichtete über drei Forschungsprojekte, die über WIR!-Bündnisse initiiert wurden:

▪ Entwicklung eines Putzgipsmörtels auf der Basis von Recycling-Gips (EcoStuc),

▪ Entwicklung eines (optischen) Sortierverfahrens zur Nutzbarmachung von Gips/Anhydrit-Übergangsgestein (SortGips) und

▪ Entwicklung eines Recycling-Fließestrichs auf Calciumsulfat-Basis (RC-Estrich).

Die im Detail vorgestellten Verfahren zeigten, dass mit Gipsrecycling und dem Einsatz von Estrichbruch Innovationsprozesse technisch realisierbar sind und praxistaugliche Ergebnisse entstehen.

Thomas Siebenhaar (Projekt Bauart Wohninvest GmbH) zeigte in seinem Vortrag, wie und auf welcher Basis Nachhaltigkeit und insbesondere das ESG-Regelwerk (Environment, Social, Governance) mit seinem Kriterienraster Investitionsentscheidungen im Wohnungsbau beeinflussen. „Die Anforderungen wandern über Banken und Investoren bis in die Bauausführung“, erklärte er und konkretisierte das mit einem Beispiel bei der Auswahl von Estrich. Der Wechsel von Zementestrich zu Calciumsulfatestrich reduziere die CO2-Emissionen des Estrichs um rund 40% bis 60%. „Auf Gebäudeebene entspricht dies einer Verbesserung der Herstellungsbilanz um etwa 2% bis 5%.“ Solche Materialentscheidungen könnten bei nachhaltigen Bauprojekten entscheidend sein, um Grenzwerte für Treibhauspotential und Primärenergie sicher einzuhalten. Wie das konkret funktioniert, zeigte Siebenhaar anhand des innovativen Gebäudekonzeptes Bauart 5D.

Sind Dünnschichtestriche und eingefräste Fußbodenheizungen regelkonform? Burkhard Prechel (MAPEI GmbH) erklärte dazu: „Da Dünnschichtestriche von den Vorgaben nach DIN 18560 abweichen, sind sie Sonderkonstruktionen. Die Ausführungsbestimmungen des Systemgebers sind zwingend einzuhalten.“ Prechel wies darauf hin, dass durch den Fräskanal die wirksame Estrichdicke stark reduziert, gleichzeitig die Druck- und Zugbelastung erhöht wird. Der Estrich kann an Tragfähigkeit einbüßen. Weil sowohl bei Dünnschichtestrichen wie bei Frässystemen noch viele Fragen offen sind (Prüfung des Bestandsestrichs, Gewerkekoordination, Haftung) rät er dem Handwerk, Bedenken anzumelden und Auftraggeber auf mögliche Risiken hinzuweisen.

Direkt anknüpfendes Thema von Rechtsanwalt Frank Häberer (Häberer + Partner Rechtsanwälte mbB, Leipzig) war die Frage, ob bei einem Bauvorhaben Abweichungen von den allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.) wirksam vereinbart werden können. a.a.R.d.T. sind Regel- und Vergleichsmaßstab, Abweichungen davon grundsätzlich privatautonom vereinbar. „Klarheit, Aufklärung und informierte Zustimmung sind dabei unverzichtbar“, so RA Häberer, „Funktion, Sicherheit und zwingendes Recht bleiben die Grenze.“

Künstliche Intelligenz (KI) ist bekanntlich in aller Munde, aber oft noch wenig konkret. Mick Nitschke (SeminarPool GmbH) demonstrierte die Möglichkeiten von KI, Fachunternehmern das Geschäftsleben zu erleichtern – unter anderem bei allen Arten von Korrespondenz („Büro-Turbo“), aber auch bei der Bildbearbeitung oder bei Dokumentationen. Mit den richtigen Eingabeparametern, die er den Teilnehmern vorstellte, lassen sich etwa Mails an streitbare Auftraggeber ebenso professionell gestalten wie Texte juristischen Inhalts. Mit wenigen Klicks wird aus einem Baustellenbild ein fertig gestaltetes Objekt, das sich vorzeigen lässt. „KI spart Ihnen bei all diesen Vorgängen jede Menge Arbeitszeit“, erklärte Nitschke.

Roman Kirchhofer (KBS AG, CH-Veltheim) lieferte in seinem Vortrag über den Einsatz von Calciumsulfat-Fließestrichen im Holzbau eine Fülle relevanter Detailinformationen zur Bauphysik im Zusammenhang mit Feuchtigkeit und zur Akustik in Verbindung mit dem notwendigen Trittschallschutz. Er analysierte beim Feuchteeintrag wichtige Begleitfaktoren wie das Lüften und die optimale Heizkurve im Trocknungsprozess bei Holzbauten. Es folgten detaillierte Darstellungen der Mess- und Prüfverfahren beim Trittschall und die Bewertung von Trittschall-Dämmmaßnahmen. Der hohe Aufwand und die zahlreichen Anforderungen beim Fließestricheinsatz im Holzbau seien letztlich notwendig, „damit eine Mehrheit der Benutzer bei üblicher Nutzung vor erheblicher Störung geschützt wird.“

Zum Abschluss des FLIESSESTRICHFORUMS 2026 lud Michael Brogna (Swiss Floor GmbH, CH-Studen) die Zuhörer ein, mit ihm dem Lebenszyklus eines Sichtestrichs zu folgen, beginnend bei ersten Denkmodellen, über die Beratung von Architekt und Nutzer, über Materialien, Muster und den geeigneten Partner für eine hochwertig-handwerkliche Ausführung bis hin zur fachgerechten Nutzung und Pflege. Den roten Faden dieses Vortrages beschrieb Michael Brogna so: „Sichtestrich ist kein einzelner Arbeitsschritt, sondern eine geführte Entscheidungskette!“