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Fließestrich:
Großes Potenzial​

Calciumsulfat-Fließestrich eignet sich für viele Fußbodenaufbauten. Durch seine Fließfähigkeit lassen sich große ebene Flächen herstellen. Ob er für einen bestimmten Bodenbelag geeignet ist, hängt von den technischen Anforderungen und der fachgerechten Ausführung ab.

Vorteile

Die Vorteile von Fließestrichen ergeben sich aus den chemisch-physikalischen Eigenschaften des Baustoffes:

  • Kein Schüsseln und keine Randabsenkungen
  • Optimal für Fußbodenheizung
  • Optimal für die Nutzung regenerativer Energiequellen
  • Schneller Baufortschritt
  • Hohe Ebenheit
  • Geringe Estrichnenndicke
  • Keine Bewehrung
  • Fugenarmer Einbau
  • Gutes Trocknungsverhalten

 

Kein Schüsseln und keine Randabsenkungen

Calciumsulfat-Fließestriche weisen im Vergleich zu manchen anderen Estricharten typischerweise ein geringes Schwindverhalten auf. Verformungen und Randabsenkungen sind dennoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen; sie hängen von Produkt, Einbau und Trocknungsbedingungen ab.

Randabsenkungen treten typischerweise bei Zementestrichen auf. Die Estrichränder heben sich zunächst in der Trocknungsphase an (Fachbegriff Schüsseln). Das ist durch das starke Schwinden des Zementestrichs bedingt. Die Trocknung der Oberfläche bewirkt ein über die Estrichdicke ungleichmäßiges Schwinden. Vergleichbar ist dieser Effekt mit einer offen auf einem Teller liegenden Wurst- oder Käsescheibe, die sich mit der Zeit ebenfalls an den Rändern nach oben wölbt. Nach einiger Zeit senken sich die Estrichränder wieder ab. Zu diesem Zeitpunkt ist der Oberbelag bereits verlegt, die Randfugen öffnen sich, Silikonfugen reißen auf.

Abgerissene Silikonfugen müssen zum richtigen Zeitpunkt saniert werden. Wird zu früh nachgebessert, muss später nochmals nachgearbeitet werden. Wird länger gewartet, dringt Schmutz und Wasser in die Randfugen ein. Da die Randabsenkungen in den Ecken wesentlich stärker vorzufinden sind als an den übrigen Bereichen, besitzt die nachgebesserte Randfuge eine ungleichmäßige Fugenstärke. Gerade bei hochwertigen Belägen beeinträchtigt dies die optische Wirkung und den edlen Charakter des Bodens. Durch die Verwendung von Fließestrichen erspart man sich die oben genannten Beeinträchtigungen.

Optimal für Fußbodenheizung

Besonders als Heizestriche bieten sich Fließestriche aufgrund der geeigneten Heizrohrumschließung, der hohen Wärmeleitfähigkeit und der geringen Estrichnenndicke an. Der Fließestrich nimmt die Wärme schnell von den Heizrohren an und gibt sie unverzüglich an die Raumluft weiter. Hierdurch erhält man einen Heizestrich, der energieeffizient ist und schnell auf Temperaturveränderungen reagieren kann.

Optimal für die Nutzung regenerativer Energiequellen

Bedingt durch die oben beschriebene gute Wärmeleitung eignet sich Fließestrich auch geeignet für Erdwärme- bzw. Geothermieheizanlagen oder Wärmepumpen mit niedrigeren Vorlauftemperaturen.

Schneller Baufortschritt

Je nach Baustelle, Material und Einbautechnik können große Flächen in vergleichsweise kurzer Zeit eingebaut werden. Aussagen über Tagesleistung, Begehbarkeit und Belastbarkeit richten sich nach Produktdaten, Baustellenklima und Herstellervorgaben; sie sind nicht für alle Fälle gleich.

Hohe Ebenheit

Aufgrund der guten Fließfähigkeit sind sehr ebene Estrichoberflächen zu erreichen. Dies sind geeignete Voraussetzungen für die Verlegung von großformatigen Fliesen und Platten sowie für Designbeläge. Der Verbrauch an Spachtelmassen lässt sich ebenfalls minimieren.

Geringe Estrichnenndicke

Die hohe Biegezugfestigkeit von Fließestrichen ermöglicht es, die Estrichdicke gegenüber konventionellen Estrichen um bis zu 20 % zu reduzieren. Die dadurch gewonnene Aufbauhöhe kann für zusätzliche Wärme- und Trittschalldämmung genutzt werden. Die Zusatzlast ist geringer – eine geeignete Voraussetzung für den Einsatz in der Sanierung.

Keine Bewehrung

Aufgrund von hohen Festigkeiten, besonders durch die hohe Biegezugfestigkeit, kann in Fließestrichen auch unter Naturstein und keramischen Belägen auf eine Bewehrung verzichtet werden. Eine Bewehrung verbessert nicht, wie häufig angenommen, die Tragfähigkeit des Estrichs. Dagegen verteuert sie den Einbau der Estrichkonstruktion und, wenn es später mal erforderlich wird, auch den Ausbau, da dieser wesentlich erschwert wird.

Fugenarmer Einbau

Fließestriche härten spannungsarm aus und weisen ein sehr geringes Verformungsverhalten auf. Dies ermöglicht eine fugenarme Herstellung der Estrichfläche. Neben Bauwerksfugen müssen lediglich Randfugen und bei großen Flächen oder Heizestrichen Bewegungsfugen angeordnet werden. Somit ergibt sich ein geeigneter Gestaltungsspielraum insbesondere bei starren Belägen. Detaillierte Informationen zur Fugenplanung finden Sie hier sowie im Merkblatt Nr. 5 „Fugen in Calciumsulfat-Fließestrichen“.

Gutes Trocknungsverhalten

Aufgrund der Porenstruktur trocknen Fließestriche gleichmäßig aus. Aufgrund der geringen Schichtdicken wird die notwendige Belegreife unter gleichen Baustellenbedingungen mindestens genauso schnell erreicht wie bei konventionellen Estrichen. Darüber hinaus kann bei Fließestrich schon nach Erreichen der Begehbarkeit die Trocknung mittels Bautrockner beschleunigt werden.

Umwelt & Gesundheit

Rohstoffe, Umwelt und Gesundheit

Für Calciumsulfat-Fließestriche kommen verschiedene Bindemittel infrage, beispielsweise Naturanhydrit und REA-Gips. Herkunft, Verarbeitung und Transport bestimmen die jeweiligen Umweltwirkungen mit. Ob ein konkretes Produkt gegenüber einer Alternative Vorteile bietet, kann nur anhand vergleichbarer Produktdaten beurteilt werden.

Der Einbau von Fließestrich erfolgt häufig stehend. Dadurch kann die kniende Arbeit gegenüber anderen Einbauverfahren verringert werden. Ob und in welchem Umfang gesundheitliche Belastungen oder Ausfallzeiten sinken, lässt sich daraus nicht pauschal ableiten.

Diesem Thema hat sich die Berufsgenossenschaft angenommen und einen Flyer veröffentlicht.

BG Bau; Flyer „Estrichleger – so bleiben Sie gesund!
https://www.bgbau.de/service/angebote/medien-center-suche/medium/estrichleger-so-bleiben-sie-gesund/

Weitere nützliche Links zu diesem Thema:

IFA Report 2/2012; „Erfassung arbeitsbedingter Kniebelastungen an ausgewählten Arbeitsplätzen“
https://publikationen.dguv.de/forschung/ifa/ifa-report/2568/ifa-report-2/2012-erfassung-arbeitsbedingter-kniebelastungen-in-ausgewaehlten-berufen

BG Bau – Arbeitsmedizinischer Dienst; Betriebsärztlicher Gesundheitsbericht für Estrichleger
https://www.bgbau.de/fileadmin/Themen/Arbeitsschutz/Arbeitsmedizin_Vorsorge/Gesundheitsbericht-Estrichleger.pdf

Bundesministerium für Arbeit und Soziales; Merkblatt zur Berufskrankheit Nummer 2112 „Gonarthrose“
https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Berufskrankheiten/pdf/Merkblatt-2112.pdf?__blob=publicationFile

Handwerksblatt April 2012; Arthrose im Knie ist Berufskrankheit bei Estrichleger
https://www.handwerksblatt.de/betriebsfuehrung/die-einseitige-arthrose-eines-installateurs-ist-berufskrankheit

Die Welt; Die Rangliste der 50 gefährlichsten Berufe
http://www.welt.de/gesundheit/article13340680/Die-Rangliste-der-50-gefaehrlichsten-Berufe.html

Statista – Das Statistik- Portal; Gefährlichste Berufe in Deutschland nach der Erwerbsunfähigkeitsrente
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/201745/umfrage/gefaehrlichste-berufe-nach-der-erwerbsunfaehigkeitsrente/

Calciumsulfat-Fließestriche können unter geeigneten Bedingungen getrennt zurückgebaut und einer Verwertung zugeführt werden. Entscheidend sind unter anderem Materialreinheit, Verunreinigungen, örtlich verfügbare Verwertungswege und die rechtlichen Vorgaben. Eine allgemeine Recyclingfähigkeit bedeutet nicht, dass jedes ausgebaute Material tatsächlich recycelt wird.

 

Bei der Bewertung eines Bauwerks können ökologische, wirtschaftliche und nutzungsbezogene Kriterien berücksichtigt werden. Zertifizierungssysteme bewerten dazu definierte Merkmale des gesamten Gebäudes. Daraus ergibt sich keine automatische Umweltbewertung eines einzelnen Estrichprodukts.

Das Ergebnis einer Gebäudezertifizierung bezieht sich auf die angewandten Kriterien und Bewertungsmethoden. Ein höheres Zertifizierungsniveau belegt nicht automatisch einen höheren Marktwert oder in jeder Umweltwirkung ein besseres Ergebnis.

Die Umweltauswirkungen von Calciumsulfat-Fließestrich hängen unter anderem von Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport, Nutzung und Entsorgung ab. Verallgemeinernde Aussagen über den gesamten Lebenszyklus sind ohne produktspezifische Daten nicht möglich.

In Deutschland haben sich unter anderem die nachfolgenden Zertifizierungs- und Bewertungssysteme durchgesetzt:

„Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V.“ (DGNB),

„Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen“ (BNB) und

„Leadership in Energy and Environmental Design“ (LEED) verwendet.

Für die Bewertung im Rahmen einer Gebäudezertifizierung können Umweltproduktdeklarationen (EPD) und weitere produktbezogene Nachweise herangezogen werden. Welche Nachweise erforderlich sind, ergibt sich aus dem jeweiligen Bewertungssystem.

Eine Umweltproduktdeklaration (EPD) enthält nach festgelegten Regeln ermittelte Umweltindikatoren für ein bestimmtes Produkt oder eine Produktgruppe. Ihre Ergebnisse sind nur unter Beachtung der Systemgrenzen und Vergleichsregeln aussagekräftig.

Herstellerangaben können unter anderem Informationen zu Recyclinganteilen und Rohstoffherkunft enthalten. Die Verwendbarkeit für eine Zertifizierung hängt von den Anforderungen des konkreten Systems und der Nachweisqualität ab.

Weitere Informationen können beim jeweiligen Fließestrich-Hersteller und auf externen Datenbanken wie www.greenbuildingproducts.eu und dem DGNB Navigator unter www.dgnb-navigator.de. eingeholt werden.

Rohstoffe

Ganz natürlich bauen

In Deutschland verwendet man zur Herstellung von Calciumsulfat-Fließestrichen ausgesuchte Rohstoffe, die den hohen Anforderungen an Qualität, Gleichmäßigkeit und langfristiger Verfügbarkeit standhalten müssen.

Die Bestandteile von Fließestrichen sind:

  • Calciumsulfat-Bindemittel
  • Zusatzstoffe
  • Zusatzmittel
  • Gesteinskörnungen

Qualität

Exzellente Qualität durch strenge Prüfkriterien

Die Qualität von Fließestrichen begründet sich nicht nur auf bester Auswahl bei den Rohstoffen, sie beinhaltet auch den Service und die Fachkompetenz von Herstellern und Verarbeitern. Durch die enge Verzahnung interner und externer Produktprüfungen können die strengen Qualitätsmaßstäbe, die unsere Verbände und deren Mitglieder an Fließestriche stellen, eingehalten werden.

Qualitätssicherung
Die Überwachung der Produktion erfolgt nach europäischen Vorgaben der DIN EN 13813 bzw. DIN EN 13454.

Kennzeichnung

Hersteller von Bauprodukten, wie z. B. Estrichmörteln, müssen nach der Europäischen Bauproduktenverordnung (BauPVO) eine Leistungserklärung Ihrer Bauprodukte abgeben. Die BauPVO regelt die Bedingungen für das Inverkehrbringen von Bauprodukten und die Angabe ihrer Leistungen gemäß harmonisierter Regeln (Normen). Weiterhin wird die Verwendung der CE-Kennzeichnung für diese Bauprodukte festgelegt.

Hier finden Sie Musterbeispiele für die CE-Kennzeichnung sowie die Leistungserklärung von Estrichmörteln.